brut nordwest

foto: brut wien

Seit Anfang 2021 bespielt das brut eine ehemalige Fabrikshalle im 20. Bezirk. Hier in der Nordwestbahnstraße 8-10 gleich beim Augarten hat die Spielstätte für drei Jahre ein temporäres Zuhause gefunden.

Einige MitarbeiterInnen fahren mit Roller durch die große Halle in der Nordwestbahnstraße, die Arbeitswege müssen hier gut überlegt werden. Denn eine Runde durch die alte Textilfabrik kann schon eine Weile dauern. Die rund 1.600 Quadratmeter große, ehemalige Industriehalle wird Anfang 2021 vom brut adaptiert und zu einem Theater umgebaut.

Wie eine Fabrikhalle zum Theater wird

brut nordwest heißt der neue Standort. Es gibt ein neues Tickethäuschen und eine große Bühne, die in einer ‘Blackbox’ steht. Der Außenbereich wird leicht adaptiert und die Sanitäranlagen wurden angepasst. Ansonsten war schon alles da, was das brut als Produktions- und Spielstätte für Performative Künste in Wien braucht.

Die Halle im 20. Bezirk, gebaut von der Firma Schöps für die Erzeugung von Unterwäsche, T-Shirts, Hosen und Arbeitsmäntel wurde zuletzt von einem Getränkehandel genutzt. Die große Fläche bietet nicht nur genug Raum für Tribüne, Publikumsbereich und Bühne, sondern auch ausreichend Lagermöglichkeiten und im anschließenden Bürotrakt auch Platz für alle MitarbeiterInnen.

Die Bühne allein bietet 168 m² Platz und insgesamt misst die Blackbox 25 m x 15 m, also mehr als der gesamte Saal im Künstlerhaus (18 m x 13 m). Insgesamt bietet die alte Industriehalle eine Veranstaltungsfläche von ca. 1350 m². Der Standort liegt gleich hinter dem Augarten und ist gut angebunden.

Das umliegende Nordwestbahnhofsgelände befindet sich im Besitz der ÖBB, hier entsteht ab 2024 ein neues Stadtviertel. Das Gebäude selbst befindet sich im Eigentum von BAI – Bauträger Austria Immobilien.

Wie kam es zu diesem passenden Match?

Der aktuelle Eigentümer der Industriehalle und des Bürogebäudes kam selbständig auf die Kreativen Räume zu und interessierte sich für eine kreative Zwischennutzung in der Nordwestbahnstraße. Die Servicesstelle beriet BAI erfolgreich zum Thema Zwischennutzung und unterstützte bei der Einschätzung, welche Art von temporären Nutzungen in der Halle und den Bürotrakt überhaupt möglich wären.

Nach einer ersten Besichtigung vernetzten die Kreativen Räume mit dem brut, das noch 2020 permanent auf der Suche nach neuen Spielorten war. Das brut bekam also den Hinweis, dass eine Halle in der Nordwestbahnstraße 8-10 interessant sein könnte. Dabei war die ehemalige Industriehalle eigentlich nur als möglicher Aufführungsort für einzelne Produktionen des brut-Programms im Gespräch. Aber schon bei der ersten Begehung im August 2020 war für die Produktionsleiterin des brut Annika Strassmair klar, dass die Halle das Zeug zu einem längerfristigen Quartier haben könnte.

Fast zeitgleich bekam das brut die Zusage für eine neue, permanente, eigene Spielstätte in St. Marx, die nach erfolgter Generalsanierung durch die Stadt Wien Ende 2023 bezugsfertig sein wird. Dies machte das Gelände zum perfekten Zwischenquartier. Passend zur Straße und zur Lage heißt der aktuelle Standort rut nordwest. New Art on Stage im 20. Bezirk lautet das Motto. Weiterhin bestehen bleibt das studio brut als Nebenspielstätte im 7. Bezirk.

Rekordhalter brut: 90 verschiedene Orte in 19 Wiener Bezirken

Das brut hat viel Erfahrung mit Zwischennutzungen. Seit dem Auszug 2017 aus der Hauptspielstätte aus dem Künstlerhaus am Karlsplatz war es permanent auf der Suche nach neuen Spielorten, sowohl für einzelne Projekte als auch für längerfristige Nutzungsmöglichkeiten. Und ist deshalb viel gesiedelt. brut hat in den vergangenen Jahren an 90 Spielstätten in 19 Wiener Bezirken gespielt –  und dabei spannende Orte wie das Seeufer der Seestadt Aspern oder einen riesigen Waschsalon des Matteottihofs im 5. Bezirk entdeckt.  Die vielen Erfahrungen im Adaptieren neuer Theaterorte kommen dem brut nun zugute. 

Vor dem Publikum sind bereits die ersten KünstlerInnen in brut nordwest eingezogen und haben den Probebetrieb am neuen Standort aufgenommen. Aktuell muss das Publikum aber noch coronabedingt wegen draußen bleiben.

Vor dem Publikum sind bereits die ersten KünstlerInnen in brut nordwest eingezogen und haben den Probebetrieb am neuen Standort aufgenommen.

Die Artikelserie vom brut „Looks like it has begun“ berichtet von der Entstehungsphase und was das brut-Publikuman diesem neuen Ort hoffentlich bald erwarten wird

Fotos: brut wien, Ulrich Fries, Katharina Egg