Kollektiv Kaorle – Otto Wagner Areal
Kollektiv Kaorle bezog mit Herbst 2025 einen historischen Pavillon am Otto Wagner Areal – und öffnet ihn auch für neue Mitstreiter:innen und Ideen. Damit startete der Kunst- und Kulturverein bereits am dritten Standort einen Prozess der Transformation. Seit 2020 schafft das Kollektiv Kaorle mit mittlerweile rund 240 Mitgliedern gemeinschaftlich organisierte und genutzte Räume für Kunst, Handwerk, Austausch und gesellschaftliches Engagement.
Neben dem Pavillon 21 mietete Kollektiv Kaorle mit April 2026 einen weiteren Pavillon am Otto Wagner Areal an. Mit nun insgesamt zwei Pavillons und rund 4.600 m2 Gesamtfläche ist das OWA der bisher größte Standort zur Zwischennutzung. Das Kernprogramm des Kollektivs umfasst Veranstaltungen und interdisziplinären gemeinschaftlichen Arbeiten in Werkstätten und Freiraum. Nun werden verstärkt auch Studios, Ateliers und Proberäume vermietet.
Ein historischer Pavillon für gemeinsames Schaffen
Direkt an die Wiesen- und Waldflächen der Steinhofgründe am oberen Ende des Otto Wagner Areals angrenzend, befindet sich der Eingang zu Pavillon 21. Zwischen historischem Gemäuer, Baugerüst und weitem Grün entsteht ein Ort, der mehr zu bieten hat als Raum. Seit Herbst 2025 wächst das Gebäude zu einem lebendigen Kulturort heran – ein Raum für Experimente, kollektive Strukturen, interdisziplinäre Projekte und gelebte Kulturarbeit für ein vielfältiges Publikum.
Nach viel Zeit, die in den ersten Wochen in Umbau und Adaptierung von Räumen, Decken und Wänden floss, fanden im Frühling 2026 die ersten Veranstaltungen statt – und es wurde offiziell eröffnet. Hier findet nun wieder das umfangreiche Raum -und Kulturprogramm von Kollektiv Kaorle statt: Konzerte, Austellungen, Workshops, sowie das monatliche Format Open Kaorle laden ein, den außergewöhnlichen Ort zu besuchen. Es gibt außerdem zahlreiche Werkstätten und Gemeinschaftsräume.
Pavillon 21: Werkstätten, Veranstaltungs- und Bewegungsraum, Küche, Bar, Vereinszentrum
Betritt man den Pavillon und geht einmal geradeaus durchs Stiegenhaus, steht man vor der neuen Veranstaltungsfläche mit daran anschließender Bar und direktem Zugang zum weitläufigen Balkon. Biegt man davor jedoch links in den Gang ein, führt dieser zu Büroflächen, Küche und Bewegungsraum. Einmal quer durch, auf der anderen Seite des Gebäudes befinden sich Textil-, Siebdruck- und Keramikwerkstatt.
Während die Erdgeschossflächen sowie das Souterrain, wo sich noch eine kompakte Holz- und Metallwerkstatt befinden vorrangig gemeinschaftlich genutzt werden, schließen in den Etagen darüber Einzel- und Gemeinschaftsateliers an.
Pavillon 19: Mehr Studios und Arbeitsräume nebenan
Für noch mehr Atelierflächen sowie Musikproberäume mietete das Kollektiv seit April 2026 auch den benachbarten Pavillon mit der Nummer 19 an. Mit minimal kleinerer Fläche ist dort auf etwa 2000 m2 Platz für neue Ateliers, Proberäume und geteilte Arbeitsräumlichkeiten sowie damit einhergehend auch Mitglieder im Verein.
Durch den zweiten Pavillon schafft das Kollektiv mehr Raum für gemeinsames Arbeiten und mehr Mitglieder, steht dabei aber auch vor Unsicherheiten und offenen Fragen. Die Erweiterung bedeutet nicht nur mehr Platz und bessere Planbarkeit durch Skalierung, sondern auch mehr Verantwortung und die Herausforderung, die gemeinschaftlichen Strukturen weiterhin gut funktionieren zu lassen. Dabei soll der Prozess bewusst offen und experimentell bleiben.
Wie es dazu kam und welche Gedanken seitens des Kernteams von Kollektiv Kaorle dahinter stehen, kann hier nachgelesen werden.
Otto Wagner Areal im Wandel
Die neuen Vereinsräumlichkeiten sind von der wunderschönen und weitläufigen Grünanlage im Otto Wagner Areal und den Steinhofgründen umgeben.
Nach mehr als einem Jahrhundert klinischer Nutzung, befindet sich das Areal aktuell in einem großen Transformationsprozess Richtung Bildung, Kultur, Wissenschaft und Forschung. Malerisch im Grünen gelegen thront an der Spitze die Otto Wagner Kirche am Steinhof – mit seiner goldenen Kuppel umgangssprachlich auch als „Lemoniberg“ bekannt. Unter der Kirche liegen am Hang sechzig Pavillons, 34 davon in der sogenannten Kernzone. Die einzelnen Pavillons wurden für unterschiedliche Zwecke genutzt. Neben der Unterbringung von Patient:innen gab es Verwaltungsgebäude, eine Großküche, die Wäscherei, das Theater und die Pathologie.
Der Blick in die Geschichte offenbart auch sehr dunkle Kapitel. Während des Nationalsozialismus wurden Teile des Spitals für das sogenannte „Euthanasie“-Programm missbraucht und zahlreiche Patient:innen ermordet. Die Gedenkstätte Steinhof dokumentiert und verarbeitet die Verbrechen in einer Ausstellung, es gibt auch Rundgänge vor Ort mit dem Dokumentationsarchiv Österreichischer Widerstand DÖW.
Die Gebäude in unterschiedlichen baulichen Zuständen wurden teilweise noch bis Ende 2023 für medizinische Zwecke genutzt. Neben den langfristig geplanten Umnutzungen der Pavillons im Rahmen der Sanierung spielen Zwischennutzungen wie jene von Pavillon 21 am Otto Wagner Areal eine wichtige Rolle. Die sonst leerstehenden Gebäude werden sinnvoll genutzt und leistbarer Raum für künstlerische Produktion, Kulturarbeit und Experimente geschaffen.

Kreative Räume Wien: Zwischennutzungen und Begleitung am OWA
Kreative Räume Wien unterstützt die Otto Wagner Revitalierung GmbH, die das Areal entwickeln, bei Zwischennutzungen vor Ort. Außerdem begleitet die Beratungs- und Servicestelle Kollektiv Kaorle in dem Prozess der Aktivierung und vernetzt mit weiteren Nutzer:innen und Initiativen. Der Start der Nutzung kann hier in der Presseaussendung von Ende August 2025 nachgelesen werden.
Kollektiv Kaorle: Von Mariahilf über Ottakring nach Steinhof
Kollektiv Kaorle bewegt sich an der Schnittstelle von künstlerischer Praxis, Kulturproduktion und Alltag. Es baut, gestaltet, diskutiert, teilt Werkzeuge, Wissen und Verantwortung. Das Kollektiv bespielt Lücken – sowohl räumlich als auch strukturell – und verwandelt sie in Orte des Austauschs, der Produktion und des solidarischen Miteinanders. Nicht als fertiges Konzept, sondern als ein Prozess, der sich im Tun entwickelt.
Der erste Vereinssitz befand sich von 2020 bis 2023 in einem Gassenlokal im 6. Wiener Gemeindebezirk. Dort entstand eine vielseitige Infrastruktur mit Seminarraum, Co-Working-Space, Tonstudio, Holz-, Metall- und Keramikwerkstatt, Café und einer Grätzloase in der Schmalzhofgasse.
Mit dem Umzug nach Ottakring in die Ottaktringerstraße 201 im Frühjahr 2023 wurde diese Infrastruktur weiter ausgebaut – um Ateliers, Proberäume, einen Veranstaltungsraum mit Bar sowie einen eigenen Lido. Die Zwischennutzung des Gebäudeensembles vor Ort nur fünf Gehminuten von der U3 Station Ottakring entfernt, wurde durch die Wirtschaftsagentur Wien ermöglicht. Kollektiv Kaorle war 2022 eines der prämierten Projekte im Wettbewerb Creatives for Vienna – Making Spaces. Im Rahmen eines Pilotprojekts wurde das dreistöckige Hauptgebäude mit einem Ecklokal im Erdgeschoss, einem Innenhof und zwei angrenzenden Werkstatthallen im Privateigentum zur Zwischennutzung ausgeschrieben. Kreative Räume Wien war von Beginn an beratend in den Prozess einbezogen. So konnte vor dem geplanten Abriss der Verein in einer geförderten Untermiete die Räumlichkeiten aktivieren und einen ‚Lido für Ottakring‘ schaffen.
Nach zwei Jahren in Ottakring mit zahlreichen Veranstaltungen, dem Aufbau einer umfassenden Werkstattinfrastruktur, der ‚Mondlandung‘, also der Umsiedelung einer riesigen Lichtinstallation in die Vereinsräumlichkeiten und vielem mehr ist das Kollektiv im Sommer und Herbst 2025 weiter den Hügel hinaufgezogen zum Otto Wagner Areal in einen eigenen Pavillon und seit Frühling 2026 mieten sie auch einen zweiten Pavillon daneben.
Weitere Informationen zu Kollektiv Kaorle und den aktuellen Veranstaltungen unter kollektiv-kaorle.at/de/events.
Weiterlesen
- Weitere Einblicke in die Projekte und Entwicklungen seit der Gründung des Vereins 2020 finden sich unter: kollektiv-kaorle.at/projects.
- Projektbeschreibung Kollektiv Kaorle in Alt-Ottakting (archiv)
- Aktuelle Veranstaltungen und geplante Nutzungen am Otto Wagner Areal unter www.owa-wien.at.
Objekt – Pavillon 21 + 19 am Otto Wagner Areal
Ort – Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien
Eigentum – Otto Wagner Areal Revitalisierungs GmbH
Nutzung – Ateliers/Studios/Proberäume, Ausstellungsflächen, Veranstaltungsräume, Co-Working-Space, Werkstätten (bislang Holz, Metall, Keramik, Textil, Siebdruck)
Raumunternehmen – Kollektiv Kaorle
Nutzer:innen – Kollektiv Kaorle & Kooperationspartner:innen
Fläche (Gesamt) – rund 4.600 m2
Zeitraum – Oktober 2025 bis voraussichtlich Oktober 2027
Rolle KRW – Projektbegleitung, Beratung
Wie bereits in der von der Wirtschaftsagentur Wien initiierten Zwischennutzung in Ottakring (Pilotprojekt Grätzlinitiative gemeinsam mit Creatives for Vienna), unterstützt Kreative Räume Wien das Kollektiv Kaorle auch in ihrem neuen Kapitel am Otto Wagner Areal.












